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Nach der Digitalisierung folgt die künstliche Intelligenz – ALEXA hat deutsche Wurzeln

Univ.-Prof. Dr. Sepp Hochreiter vom Institut für Machine Learning an der JKU in Linz bei den Technologiegesprächen im Europäischen Forum Alpbach 2019. (Bild: © EFA / Iryna Yeroshko) Univ.-Prof. Dr. Sepp Hochreiter vom Institut für Machine Learning an der JKU in Linz bei den Technologiegesprächen im Europäischen Forum Alpbach 2019. (Bild: © EFA / Iryna Yeroshko)

Dr. Angela Stöger-Frank berichtet vom Europäischen Forum Alpbach 2019. Diesmal von den Technologiegesprächen. Gleich vorweg: Artificial Intelligence kennt keine Moral, Ethik oder Empathie. Daher werden weiter Menschen Gerichtsurteile fällen oder Therapien auswählen.

Misstrauen in Algorithmen

Die Digitalisierung schreitet voran. Prof. Dr. Sarah Spiekermann-Hoff vom Institut für Wirtschaftsinformatik und Gesellschaft an der WU, kritisiert allerdings Digitalisierung um der Digitalisierung willen. Es geht heute nur mehr um das Datensammeln.

Das hat nichts mehr mit Forschung zu tun. Außerdem führt beispielsweise die Einführung von Algorithmen bei Bewerbungsschreiben dazu, dass Bewerber, die viele Fremdwörter und besonders „hochtrabende“ Worte verwenden, bevorzugt werden. Mag. Christoph Neumayer, Generalsekretär der IV, sieht dies entspannt. Denn schlechte Lösungen werden vom Markt verschwinden oder es wird an den “Algorithmen-Schrauben“ weitergedreht.

ALEXA, autonomes Fahren und KI-Studium an der JKU

Univ.-Prof. Dr. Sepp Hochreiter vom Institut für Machine Learning an der JKU in Linz setzt auf Deep Learning und Reinforcement Learning. Dabei stützen sich Algorithmen nicht auf vordefinierte Regeln, sondern lernen aus Beispielen und Erfahrungen.

Bemerkenswert ist, dass Sepp Hochreiter bereits 1991 eine bahnbrechende Entwicklung, Long Short Term Memory (ein Kurzzeitgedächtnis, das lange anhält), gelang, auf die z.B. die Sprachsteuerung von „ALEXA“ beruht. Die Erkenntnisse seiner Diplomarbeit über Untersuchungen zu dynamischen neuronalen Netzen am Institut für Informatik an der TU München wurden vorerst schubladisiert, in Amerika später weiterentwickelt und erfolgreich vermarktet.

Sepp Hochreiter forscht weiter, derzeit zum autonomen Fahren. Er benötigt Daten, die er von der ASFINAG aufgrund des Datenschutzes nur anonymisiert bekommen könnte. Damit kann aber die KI keine Blicke auswerten. China hat hingegen Material über ganze Stadtviertel angeboten, allerdings unter der Bedingung, dass die Daten in China bleiben.

Die JKU in Linz bietet ab Herbst ein Bachelor- und Masterstudium Artificial Intelligence an. Sepp Hochreiter ist einer der Lehrenden.

Forschungsrahmengesetz statt Forschungsfinanzierungsgesetz

Das bereits vergangenes Jahr am Forum angekündigte Forschungsfinanzierungsgesetz hat die „alte“ Regierung mehrfach verschoben und letztlich nicht mehr beschlossen. Stattdessen schickte nun Bundesminister Mag. Andreas Reichhardt ein Forschungsrahmengesetz in Begutachtung, um weiteren Zeitverlust zu vermieden. Mit diesem Rahmen soll die nächste Regierung weiterarbeiten können. Allerdings fehlt in diesem Gesetz die Finanzierung.

Univ.-Prof. Dr. Helga Nowotny emerita der ETH Zürich und ehemalige Präsidentin des Europäischen Forschungsrates (ERC), fordert dringend ein politisches (Forschungs)Bewusstsein. Aber nicht nur Österreich, sondern ganz EUROPA ist gefordert. Mindestens 100 Milliarden sind notwendig!