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2.2.6. Sonderfall: Kommissionsgeschäft

Melhardt/Kuder/PfeifferSWK-Spezial Umsatzsteuer 2018, 2.2.6. Sonderfall: Kommissionsgeschäft

§ 3 Abs. 3 UStG: „Beim Kommissionsgeschäft liegt zwischen dem Kommittenten und dem Kommissionär eine Lieferung vor. Bei der Verkaufskommission gilt die Lieferung des Kommittenten erst mit der Lieferung durch den Kommissionär als ausgeführt.“

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  • Der Kommissionär wird im eigenen Namen und für fremde Rechnung (nämlich des Kommittenten) tätig (Rz 381 UStR).

  • Bei Kommissionsgeschäften liegen zwischen dem Kommittenten und dem Kommissionär und zwischen dem Kommissionär und dem Käufer jeweils eine Lieferung vor.

  • Der Zeitpunkt (nicht Ort) für beide Lieferungen bei der Verkaufskommission ist der Zeitpunkt der Lieferung durch den Kommissionär an den Käufer!

  • Der Kommissionär stellt keine Provision in Rechnung, sondern das gesamte Entgelt inklusive seiner eigenen Provision (wie Eigenhändler).

  • Verkauft ein Kommittent aus dem Drittland eine Ware an einen österreichischen Kommissionär (Verkaufskommission) und wird die Ware befördert oder versendet, dann steht

    dem Kommissionär der Vorsteuerabzug aus der Einfuhrumsatzsteuer zu, wenn die Beförderung im Drittland beginnt (§ 3 Abs. 8) und er Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer (= Kommissionär ist umsatzsteuerlich Verfügungsberechtigter) ist bzw.

    Seite 286dem drittländischen Kommittenten Vorsteuerabzug aus der Einfuhrumsatzsteuer zu, wenn die Beförderung zwar im Drittland beginnt aber der Kommittent Schuldner der Einfuhrumsatszteuer ist (= Kommittent ist umsatzsteuerlich Verfügungsberechtigter; § 3 Abs. 9).

Dies gilt unabhängig davon, ob der Kommittent oder der Kommissionär die Warenbewegung vornimmt oder vornehmen lässt

Liegt ein Kommissionsgeschäft vor?

Nein ❑ Ja ❑

Beispiel (Rz 501 Beispiel 5 UStR):

Der Konsument K in Wien bringt ein defektes Bügeleisen zum Elektrohändler E in Wien. Dieser repariert es nicht selbst, sondern schickt es vereinbarungsgemäß gegen Kostenersatz zum Hersteller H nach München. Der Hersteller H tauscht die Bodenplatte komplett aus.

Lösung:

H tätigt damit eine innergemeinschaftliche (Werk-)Lieferung an den Elektrohändler E; dieser tätigt einen innergemeinschaftlichen Erwerb. E tätigt im Sinne der Regelung über die Besorgungsleistung bei der Lieferung (Kommissionsgeschäft) seinerseits eine steuerbare und steuerpflichtige Lieferung in Österreich (Steuersatz 20 %).

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