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2.2.1. Werklieferung

Melhardt/Kuder/Pfeiffer

SWK-Spezial Umsatzsteuer 2018, 2.2.1. Werklieferung

§ 3 Abs. 4 UStG: „Hat der Unternehmer die Bearbeitung oder die Verarbeitung eines vom Auftraggeber beigestellten Gegenstandes übernommen und verwendet er hiebei Stoffe, die er selbst beschafft, so ist die Leistung als Lieferung anzusehen, wenn es sich bei den Stoffen nicht nur um Zutaten oder sonstige Nebensachen handelt (Werklieferung). Das gilt auch dann, wenn die Gegenstände mit dem Grund und Boden fest verbunden werden.“

  • Die Be- oder Verarbeitung eines Gegenstandes alleine wäre als sonstige Leistung zu qualifizieren. Da der Kunde aber einen Gegenstand dem Unternehmer zur Be- und Verarbeitung überlässt und der Unternehmer Hauptstoffe verwendet, die für die Herstellung des Werkes ausschlaggebend sind (es kommt nicht auf das Wertverhältnis zwischen der Be- und Verarbeitung und dem Material an1, werden diese Leistungen als einheitliche Lieferung (Werklieferung) behandelt. Wertrelationen können allenfalls Anhaltspunkte im Rahmen einer Gesamtbetrachtung sein (vgl. EuGH 29.03.2007, Rs C-111/05, Aktiebolaget NN; siehe auch Ruppe/Achatz, UStG, § 3 Rz 122)

  • Es ist danach u. a. nicht zulässig, den einheitlichen Wirtschaftsvorgang einer Werklieferung (z. B. bei Errichtung eines Bauwerkes) in eine Warenlieferung und eine sonstige Leistung (Arbeitsleistung) zu zerlegen (VwGH 14. 1. 1963, 1364/60; VwGH 24. 6. 1971, 0107/71). Dies gilt auch dann, wenn über die Lieferung und die Verarbeitung des Materials getrennte Aufträge erteilt und getrennte Rechnungen gelegt werden. Ähnliches gilt für Beförderungsleistungen, die in engem Zusammenhang mit Lieferungen stehen (
    Rz 346 UStR
    ).

  • Beschafft der leistende Unternehmer den zu be- oder verarbeitenden Gegenstand sowie die Hauptstoffe selbst, liegt keine Werklieferung, sondern eine normale Lieferung vor.

  • Werden die Hauptstoffe (Materialien), die der leistende Unternehmer erwirbt oder selbst herstellt, mit dem Grund und Boden fest verbunden, dann liegt ebenfalls eine Werklieferung vor (z.B. Baumeister errichtet ein Einfamilienhaus).

Datei: images/swks-ust2018_g13.jpg

Seite 31Beispiele:

  • Binden von Büchern und Dissertationen: Es liegt in diesen Fällen eine Werklieferung vor (Bucheinband als Hauptstoff; VwGH 13.12.1973, 0231/73; VwGH 12.1.1978, 2005/77; VwGH 29.10.1979, 2259/77) (
    Rz 393 UStR
    ).

  • Binden von Zeitschriften, Tätigkeitsberichten: Es liegt in diesen Fällen eine Werkleistung vor (VwGH 29.11.1984, 83/15/0083, VwGH 14.11.1988, 86/15/0086) (
    Rz 393 UStR
    ).

  • Fußbodenverleger: Ein Fußbodenverleger tätigt eine Werklieferung: Für die Bearbeitung des vom Auftraggeber beigestellten Gegenstandes (Grundstück) werden vom Fußbodenverleger selbst beschaffte Hauptstoffe (z.B. Parkett) verwendet.

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Bürgler in Berger/Bürgler/Kanduth-Kristen/Wakounig (Hrsg.), UStG-Kommentar 1.05 § 3 [Rz 151] Ausnahme: Die Finanzverwaltung stellt aus Vereinfachungsgründen zur Abgrenzung von Werklieferungen zu Werkleistungen bei KFZ-Reparaturen auf das Wertverhältnis zwischen Arbeitsleistung und verwendeten Bestandteilen ab (UStR 2000 Rz 1067). Wenn der auf die Bestandteile verwendete Entgeltsteil mehr als 50 % der Gesamtleistung beträgt, ist von einer Werklieferung, andernfalls von einer Werkleistung auszugehen. Hilfsstoffe, wie Dichtungen, Ölfilter, Zündkerzen etc., sind in die Verhältnisrechnung nicht einzubeziehen.

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