Finanzstrafrecht

Kier/Wess (Hrsg), Handbuch Strafverteidigung

ZWF Redaktion

ZWF 2018, 145

Kier/Wess (Hrsg), Handbuch Strafverteidigung, Manz Verlag, Wien 2017, gebunden, 786 Seiten, 128 €.

Die renommierten Strafverteidiger Roland Kier und Norbert Wess haben es geschafft, mit dem vorliegenden Werk eine in Österreich vorhandene Lücke zu schließen, wurde doch immer wieder bemängelt, dass es praxisbezogene Handbücher für Strafverteidiger, wie sie zB in Deutschland existieren (siehe etwa das von Jan Bockemühl unlängst in 7. Auflage herausgegebene Handbuch des Fachanwalts, Strafrecht), in Österreich fehlen.

28 Rechtsanwälte wollen im vorliegenden Handbuch nach Ansicht der Herausgeber einen „idealen Begleiter jedes Juristen, der in seinem Berufsalltag – der eine mehr, der andere weniger – Verteidigungsarbeit zu leisten hat“, schaffen, wobei „nicht nur die geltende Rechtslage (und die für die Praxis besonders ausschlaggebende Rechtsprechung) dargestellt, sondern vor allem durch praktische Tipps und Hinweise auch für den ansonsten wenig mit Strafsachen bewanderten Verteidiger aufgezeigt (werden soll), wie seriöse und effiziente Verteidigungsarbeit zu gewährleisten ist“ (Vorwort, Seite III).

Im ersten Teil des Buchs stellt Norbert Wess den Rechtsanwalt als Verteidiger in Strafsachen dar (Seite 1 ff). Der zweite Teil hat „die Stellung des Verteidigers zu den anderen Beteiligten des Strafverfahrens“ wie Zeugen (Markus Machan), Sachverständigen (Otto Dietrich) oder auch Gerichten (Martin Nemec) zum Inhalt (Seite 21 ff).

Der dritte Teil widmet sich der Strafverteidigung in den einzelnen Verfahrensstadien (Seite 113 ff) wie zB Ermittlungsverfahren (Norbert Wess), Einspruch gegen die Anklageschrift (Michael Rami), Hauptverhandlung (Alexia Stuefer) oder Rechtsmittelverfahren (Roland Kier). In diesem Teil wird aber nicht nur auf die Verfahrensstadien im engeren Sinn abgestellt, sondern es wird auch die Verteidigung in Haftsachen (Roland Kier) und unter Ausübung des Rechtsinstituts der tätigen Reue (Peter Lewisch) oder die Betreuung von Klienten nach deren rechtskräftiger Verurteilung (Rene Haumer) behandelt. Weiters wird auf die Arbeit mit und gegen Medien eingegangen (Michael Rami).

Der vierte Teil des Buchs beschäftigt sich mit dem Verteidiger in besonderen Funktionen (Seite 503 ff), wobei die Verteidigung von UnSeite 146 ternehmen (Richard Soyer), komplexen Wirtschaftsstrafverfahren (Gerald Ruhri), Finanzstrafverfahren (Mario Schmieder und Rainer Brandl) oder Suchtmittelstrafsachen (Philipp Wolm) behandelt wird.

Das Kapitel Rechtsanwalt als Zeugenbeistand und Opfervertreter (Lukas Kollmann) führt vor Augen, dass Rechtsanwälte im Rahmen von Strafverfahren in unterschiedlicher Funktion tätig werden können.

Den Abschluss bildet der fünfte Teil, der sich der Honorierung des Verteidigers einschließlich der Ersatzansprüche des Beschuldigten widmet (Seite 712 ff). Ein Stichwortverzeichnis im Ausmaß von 15 Seiten (Seite 771 ff) rundet das Werk ab und ermöglicht es dem Benützer, rasch die für seine Frage relevanten Stellen im Handbuch zu finden.

Dass das Handbuch Strafverteidigung ausschließlich von Strafverteidigern geschrieben wurde, gewährleistet eine besondere Praxisrelevanz. Darüber hinaus ist an der Darstellung positiv hervorzuheben, dass immer wieder grau hinterlegte Praxistipps gebracht werden und ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Literatur am Beginn jedes Kapitels eine tiefergehende Recherche ermöglicht. Wenn in den Fußnoten meist nur auf zentrale Literatur und die Rechtsprechung eingegangen wird, ist dies kein Mangel, sondern eine Darstellungsweise, die hilft, stets das Wesentliche im Auge zu behalten.

Den Herausgebern ist zu diesem Werk uneingeschränkt zu gratulieren. Sie haben es geschafft, Strafverteidigern ein gut handhabbares Nachschlagewerk zu bieten. Für die Folgeauflage, die es sicher geben wird, wäre es – gerade im Vergleich mit ausländischen Werken – noch wünschenswert, mehr interdisziplinäre Beiträge einzubauen, um so auch Basisinformationen zu psychologisch/psychiatrischen oder anderen forensischen Perspektiven zu geben. Bereits ohne diese Ergänzungen ist das vorliegende Werk jedoch besonders empfehlenswert.