Tagesfragen

Familienbesteuerung und Pendlerförderung

Gaedke

SWK 13-14/2018, 598

Lachmayer beschäftigt sich in SWK 12/2018 mit gemischt veranlassten Aufwendungen, ua Pendlerpauschale, doppelter Haushaltsführung und Familienheimfahrten.1 Ohne auf die grundsätzliche Frage der Notwendigkeit des Abzugs einzugehen, bedürfen die mE einseitigen, vielleicht primär aus dem Blickwinkel einer Hauptstadtbetrachterin gemachten Aussagen aber einer Ergänzung.

1. Pendlerpauschale

Hier schreibt Lachmayer: „Der Grund, wieso ein Steuerpflichtiger über eine größere Entfernung zur Arbeit pendeln muss, liegt meistens in einer privaten Entscheidung begründet, etwa weil man in dem Ort aufgewachsen ist und diesen nicht verlassen möchte [!]; die Familie dort lebt; man sich nur dort den Wohnraum leisten kann, den man sich wünscht, etc.“ Und dann: „Weil er gerne ein Haus mit Garten hätte […].“

Das mag auf Wien und seine Umgebung zutreffen, die Autorin kennt aber vermutlich nicht jene Steuerpflichtigen, die in einem Seitental eines oststeirischen Bezirks wohnen, ihren Arbeitsplatz infolge der Schließung eines Industriebetriebs verloren haben und nach langer Arbeitsplatzsuche nach Graz oder Wien pendeln müssen. Ein solcher Betroffener sitzt drei oder vier Stunden täglich im Auto, Bus oder Zug, um zum Arbeitsplatz bzw wieder nach Hause zu kommen, nicht bequem im Hochfrequenztakt zwischen Baden und Wien, vermutlich besitzt er auch kein Haus mit Garten. Es stellt sich gar nicht die Frage, ob er den Ort verlassen möchte; er könnte es sich keinesfalls leisten.

2. Doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten

Bleiben wir beim oststeirischen Steuerpflichtigen: Die Fabrikation eines Industrieguts wurde zB nach Tschechien verlagert. Mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten nimmt er für Zwecke der Einschulung das Angebot eines befristeten Vertrags des Managements an. Wie darf bzw soll man in diesen Fällen die Aussage Lachmayers verstehen, dass „gerade Familienheimfahrten eine besonders starke private Mitveranlassung […] aufweisen“?

Dass man zusammenfassend lesen muss, „dass der eigentliche Hintergrund für das Anfallen der Aufwendungen der privaten Lebensführung des Steuerpflichtigen zuzurechnen ist“, trifft vermutlich oft zu, bedarf aber einer – sagen wir – Ergänzung.

3. Nachhaltige Infrastruktur

Freilich sollten Probleme strukturschwacher Gebiete umfassender angegangen werden: Nur nachhaltige, auch auf ihre ökologische und raumplanerische Tragfähigkeit bedachte Infrastrukturmaßnahmen können langfristig neue und attraktive Arbeitsplätze schaffen, zB durch Förderung des öffentlichen Verkehrs und Ausbau von Datenleitungen.

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Prof. Gerhard Gaedke ist Steuerberater in Graz und Vorsitzender des Kontaktkomitees der Kammer der Wirtschaftstreuhänder mit dem BMF.

1

Siehe Lachmayer, Pendlerpauschale, Kinderbetreuungskosten und die Selektivität des Werbungskostenbegriffs, SWK 12/2018, 554.