Tagesfragen

Wartezeit bei der automatischen Datenübermittlung von Sonderausgaben

Schlager

SWK 11/2018, 521

Wenn der automatische Lohnsteuerausgleich und die automatische Datenübermittlung von Sonderausgaben als weitere wichtige Schritte zum Bürokratieabbau und zur Serviceorientierung der Finanzverwaltung hervorgehoben werden, so wird die Vielzahl der in der täglichen Praxis vorkommenden Einzelfälle übersehen.

1. Grundlegendes

Im Vorfeld zu den Einkommensteuerveranlagungen 2017 wurde in Steuerkanzleien vielfach angerufen, ob das Geburtsdatum bei der Veranlagung tatsächlich mitgeteilt werden muss. Wird bei der Finanzverwaltung – wie es in einem Einzelfall geschehen ist – der letzte Buchstabe im Vornamen anders geschrieben als beim spendenempfangenden Verein, lassen sich die Daten nicht übermitteln. Der Telefonaufwand, um die steuerliche Erfassung doch noch rasch zu erreichen, ist naturgemäß erheblich. Erfolgt keine Kontrolle, ist zu befürchten, dass eine Vielzahl nicht angesetzter kleiner Beträge nicht beachtet wird.

Bis zum Jahr 2016 war es üblich, dass die Belege vom Steuerbürger der Steuerkanzlei regelmäßig übermittelt wurden. Die Spenden wurden danach in die entsprechende Steuererklärungskennziffer eingetragen. Werden Spendenbelege nicht elektronisch übermittelt und erfasst, ist auch der automatische Jahresausgleich zu niedrig.

Für die Abwicklung im Jahr 2019 sind spendenempfangende Organisationen wohl aufgerufen, ihre Erfahrungen hinsichtlich dessen mitzuteilen, ob bei ihnen weniger Spendeneinnahmen bei kleineren Beträgen eingegangen sind oder sie selbst bei den bisherigen Spendern nachgefragt haben, wenn ihnen aufgefallen ist, dass sonst regelmäßige Spenden ausgeblieben sind.

2. Ein Beispiel

Gerade bei älteren Personen ist man aufgrund der Pflege- und Krankheitskosten bemüht, eine rasche Veranlagung zu erreichen, weil sonst der Freibetragsbescheid fehlt und die monatliche Pension nicht um die Lohnsteuer verkürzt zur Auszahlung kommt, bis dieser bei der pensionsauszahlenden Stelle vorgelegt werden kann. Es ist erkennbar, dass der unbedingte Glaube an die ausschließlich digitale Abwicklung zu hinterfragen ist.1

In einem Einzelfall, bei dem ein betagter Spender neben den Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung ohne Selbstbehalt, weil in derartigen Fällen meist eine Pflegestufe vorliegt, im Jahr 2015 rund 2.000 Euro und im Jahr 2016 rund 1.200 Euro Sonderausgaben angerechnet bekommen hat, waren am 3. 4. 2018 noch keinerlei elektronische Eintragungen für 2017 abrufbar. Plötzlich fällt einem folgendes oft strapazierte Sprichwort ein: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
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Hon.-Prof. Mag. Dr. Josef Schlager ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Linz.

1

Siehe etwa Sax, Die Rache des Analogen (2017).

2

Siehe Schlager, Innovation und Vertrauen: Ein verflixtes Verhältnis, Der Wirtschaftstreuhänder (im Erscheinen).