Tagesfragen

Die Wirtschaftskammergesetz-Novelle 2017

Buchacher/Propst

SWK 10/2018, 489

Durch die Novelle zum Wirtschaftskammergesetz (WKG-Novelle 2017)1 ändert sich die Berechnung der Kammerumlage 1. Zur Entlastung der Kammermitglieder wird ein degressiver Staffeltarif eingeführt. Vorsteuern aus Investitionen sind künftig von der Bemessungsgrundlage ausgenommen. Insoweit Sie bei der Berechnung auf automatische Berechnungsprogramme zurückgreifen, sollten Sie auf ein rechtzeitiges Update achten.

1. Berechnung der Kammerumlage 1

Mit 1. 1. 2019 tritt die WKG-Novelle 2017 in Kraft. Dadurch wird die Berechnung der Kammerumlage 1 geändert:

Gemäß § 122 Abs 2 WKG idF BGBl I 2017/73 ist von der Bemessungsgrundlage für die Kammerumlage 1 die Umsatzsteuer auf Investitionen in das ertragsteuerliche Anlagevermögen in Abzug zu bringen. Die Regelung bezieht sich auf das gesamte Anlagevermögen und unterscheidet nicht zwischen neuen und gebrauchten Wirtschaftsgütern.

Ob geringwertige Wirtschaftsgüter gemäß § 13 EStG als ertragsteuerliches Anlagevermögen im Sinne der Bestimmung zu qualifizieren sind, geht aus dem Gesetzestext der Novelle und den ErlRV nicht klar hervor. Geringwertige Wirtschaftsgüter sind abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, auch wenn sie im Jahr der Anschaffung zur Gänze abgeschrieben werden.2 Somit wären diese uE vom Begriff der Investitionen iSd WKG-Novelle 2017 umfasst.

Des Weiteren wird ein degressiver Staffeltarif eingeführt, sodass mit steigendem Vorsteuervolumen die Belastung durch die Umlage in zwei Stufen sinkt (§ 122 Abs 1 WKG idF BGBl I 2017/73). Diese zwei unterschiedlich hohen Schwellenwerte sind vom Erweiterten Präsidium der Bundeskammer festzusetzen, wobei der niedrigere Schwellenwert zwei Mio Euro nicht unterschreiten darf. Die Präzisierung der Schwellenwerte wird voraussichtlich im Juni 2018 erfolgen. Für jene Teile der Bemessungsgrundlage, die den niedrigeren Schwellenwert übersteigen und den höheren nicht überschreiten, kommt der um fünf verminderte Teil des Hundertsatzes, für jene, die den höheren Schwellenwert übersteigen der um zwölf verminderte Teil des Hundertsatzes zur Anwendung. Für Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen darf der niedrigere Schwellenwert 16 Mio Euro nicht unterschreiten.

2. Wesentliche Neuerungen

  • Die Umsatzsteuer aus Investitionen in das Anlagevermögen ist nicht in die Bemessungsgrundlage für die Kammerumlage 1 einzubeziehen.

  • Bei Erreichen eines bestimmten Schwellenwerts kommt es zur Anwendung der verminderten Hundertsätze.

Seite 490 Die gängigen Buchhaltungsprogramme berechnen die Kammerumlage 1 anhand der ausgewiesenen Vorsteuern automatisch. Aufgrund der Änderungen durch die WKG-Novelle 2017 sind aus programmtechnischer Sicht wohl folgende Anpassungen durch die Hersteller der Buchhaltungsprogramme erforderlich:

  • Entsprechende Hinterlegung in den Stammdaten der Anlagekonten in der Buchhaltungssoftware, damit diese Konten nicht in die Berechnung der Kammerumlage einbezogen werden.

  • Programmierung der Schwellenwerte und verminderten Hundertsätze gemäß § 122 Abs 1 WKG bzw für Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen gemäß § 122 Abs 3 Z 2 WKG, damit die Kammerumlage 1 korrekt berechnet wird. Entsprechende Programmierung bei unterjährigem Überschreiten der Schwellenwerte mit der Möglichkeit zur Aufrollung von zu viel entrichteter Kammerumlage.

  • Sollten geringwertige Wirtschaftsgüter vom Begriff des Anlagevermögens iSd WKG-Novelle 2017 umfasst sein, ist zu beachten, dass diese auf einem Anlagekonto (Klasse 0) verbucht werden und in weiterer Folge die Buchung der Sofortabschreibung erfolgt.


Auf den Punkt gebracht

Durch die mit 1. 1. 2019 in Kraft tretende WKG-Novelle 2017 wird die Berechnung der Kammerumlage 1 geändert: Zum einen wird ein degressiver Staffeltarif eingeführt, zum anderen werden Vorsteuern aus Investitionen in das Anlagevermögen nicht in die Bemessungsgrundlage einbezogen. Um weiterhin eine korrekte automatische Berechnung der Kammerumlage 1 in den Buchhaltungsprogrammen gewährleisten zu können, sind vonseiten der Hersteller entsprechende Anpassungen der Software erforderlich.


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Mag. Viktoria Buchacher ist Steuerberaterin und Managerin bei LeitnerLeitner in Wien im Bereich Körperschaften öffentlichen Rechts und NPOs. Mag. Claudia Propst ist Steuerberaterin und Managerin in derselben Abteilung.

1

BGBl I 2017/73.

2

Vgl EStR 2000, Rz 3894.