Arbeitsrecht

Werbungskosten trotz Streckenidentität mit Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

ASoK 2018, 158

BFG 26. 1. 2018, RV/7102524/2012.

Das BFG hat sich in angeführter Entscheidung mit der immer wieder auftauchenden Frage auseinandergesetzt, ob und unter welchen Voraussetzungen für beruflich veranlasste Fahrten trotz Streckenidentität mit der Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte Kilometergelder geltend gemacht werden können. Dabei hat es folgende Aussagen getroffen:

  • Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, für die keine Kilometergelder berücksichtigt werden können, weil diese Fahrten durch den Verkehrsabsetzbetrag und ein allfälliges Pendlerpauschale abgedeckt sind, sind dadurch gekennzeichnet, dass sie mit dem Ziel unternommen werden, die Arbeitsstätte aufzusuchen bzw von dieser in die Wohnung zurückzukehren.

    Interessanterweise ist das BFG auf die Frage, ob im konkreten Fall am Sitz des Arbeitgebers überhaupt eine Arbeitsstätte vorliegt, nicht eingegangen, obwohl der Arbeitnehmer laut Sachverhalt die Geschäftsstelle nur zum Abholen der Post aufsuchte. Wenn das Aufsuchen der Betriebsstätte des Arbeitgebers durch einen Außendienstmitarbeiter aber bloß mittelbar durch berufliche Obliegenheiten veranlasst ist (zB Abholen von Unterlagen, Wechseln des Fahrzeugs etc), kann dort keine Arbeitsstätte angenommen werden (vgl zB Rz 284 der LStR 2002).

  • Die Geltendmachung von Kilometergeld ist nicht für jede Fahrt des Steuerpflichtigen, die mit der Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte identisch ist, ausgeschlossen. So kann zB bei einem in der dienstfreien Zeit vorgenommenen Besuch der Werkmeisterschule, die auf der Wegstrecke zur Arbeitsstätte gelegen ist, Kilometergeld in Abzug gebracht werden. Nur wenn eine solche Fahrt mit der Fahrt zur Arbeitsstätte verbunden ist, kommt die Abgeltungswirkung des Verkehrsabsetzbetrags bzw Pendlerpauschales zum Tragen.

  • Die Begriffe „Wohnung“ und „Arbeitsstätte“ definieren einen punktuellen Ort und umfassen nicht (wie dies zB hinsichtlich der Begründung eines weiteren Mittelpunktes der Tätigkeit im Zusammenhang mit der Geltendmachung von Diäten gilt) das ganze Gemeindegebiet.

  • Wenn aufgrund einer lohngestaltenden Vorschrift die Dienstreiseersätze immer vom Arbeitsort zu berechnen sind, schlägt diese arbeitsrechtliche Fiktion auch auf die ertragsteuerliche Beurteilung durch. Daraus ergibt sich einerseits, dass ein Arbeitnehmer, der eine Dienstreise direkt vom Wohnort aus antritt, nicht für die gesamte Wegstrecke, sondern nur für die fiktive Wegstrecke zwischen Arbeitsstätte und dem Ort der Dienstverrichtung Kilometergeld geltend machen kann. Andererseits ist an diesen Tagen im Hinblick auf die Geltendmachung des Pendlerpauschales von einer Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte auszugehen, auch wenn der Steuerpflichtige die Arbeitsstätte gar nicht aufgesucht hat.

Aus den aufgezeigten Grundsätzen ergibt sich für den zu beurteilenden Fall Folgendes:

  • Für Fahrten zum Zwecke eines Kundenbesuchs, die direkt von der Wohnung aus erfolgen, können für die gesamte Fahrtstrecke Kilometergelder geltend gemacht werden, wenn die Arbeitsstätte nicht aufgesucht wird. Dies gilt ungeachtet einer allfälligen (gänzlichen oder teilweisen) Identität dieser Strecke mit der Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

  • Seite 159Kilometergeld kann (natürlich) auch für die Strecke zwischen Arbeitsstätte und Kunden abgesetzt werden.

  • Wird an Tagen, an denen Außendienst geleistet wurde, auch die Arbeitsstätte aufgesucht, können für den „Umweg“ (Wegstrecke, die die Strecke Wohnung – Arbeitsstätte übersteigt) Kilometergelder in Abzug gebracht werden.