Autor: Roland Macho

„Die Verrechnungspreisspirale dreht sich immer schneller“

Macho

BFGjournal 2018, 134

Seit 1. 3. 2018 ist Mag. Roland Macho Fachvorstand der Großbetriebsprüfung. Seine berufliche Laufbahn begann 1982 im Finanzamt für den 1. Bezirk in Wien. Neben seiner Prüfertätigkeit absolvierte er das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien. 1994 wechselte Macho in die Großbetriebsprüfung, wo er zunächst als Prüfer und ab 2001 als Gruppenleiter bzw Teamleiter tätig war. Zuletzt übte er auch die Funktion des Regionalverantwortlichen für die Region Ost aus.Roland Macho zeichnet sich durch langjährige Erfahrung in der Großbetriebsprüfung und Mitarbeit an internationalen Programmen aus. Weiters ist er Universitätslektor an der Wirtschaftsuniversität Wien und wissenschaftlicher Leiter der Tax-Management-Studiengänge an der Fachhochschule Campus Wien. Er ist Fachvortragender und Fachautor insbesondere im Bereich des internationalen Steuerrechts und der Verrechnungspreise.Anlässlich seiner Bestellung zum Fachvorstand der Großbetriebsprüfung baten wir ihn zum Interview.

Hat der Fremdverhaltensgrundsatz ein Ablaufdatum?

Vor einigen Jahren erhielten Experten der OECD von den G20-Staaten den Auftrag, zu untersuchen, durch welche Steuerplanungsaktivitäten international tätige Unternehmen ihre Steuerlast maßgeblich reduzieren. Die OECD-Experten kamen zur Ansicht, dass manche Steuerplanungsszenarien die Steuergesetzgebung konterkarieren, und erarbeiteten einen Bericht, der unter dem sperrigen Arbeitstitel „Addressing Base Erosion and Profit Shifting“ – kurz „BEPS-Report“ – bekannt geworden ist. Einer der Schwerpunkte liegt auf den von der OECD herausgearbeiteten kritischen Bereichen („pressure points“), und zwar der Ausnutzung von Verrechnungspreisvorschriften, um Einkünfte von den diese Einkünfte generierenden wirtschaftlichen Aktivitäten zu trennen und in Niedrigsteuerländer zu verlagern; dies gilt insb für immaterielle Vermögenswerte ( „intangibles“) und die Risikozuweisung („risk allcoation“).Diese Gewinnverschiebungen sollen durch eine zielgerichtete Abwehrgesetzgebung und eine Präzisierung bzw Verschärfung der Verrechnungspreisrichtlinien erreicht werden. Im Rahmen dieses Beitrags sollen die aktuellen Entwicklungen „rund um“ den Fremdverhaltensgrundsatz näher beleuchtet werden.